BLOBB / BISMARCK

Rasse: English Bulldog

Geschlecht: männlich 

Geburtstag: ca. 2021

Sitzt ein seit: Januar 2024

Vergehen:

Dass man ins Krankenhaus muss, kann ja immer mal passieren. Wie gut, wenn man vorgesorgt hat und eine Betreuung für seinen Vierbeiner hat. Wie uncool, wenn man denkt, dass das ranzige Verhalten vom 3-jährigen Old English Bulldog sich bei den Pflegeeltern schon nicht zeigen wird. Und wie gemein, wenn diese dann in Angst und Schrecken leben, weil dieser Hundesohn einfach nur herrisch, gefährlich und mies gelaunt ist.

Die Rede ist von Bismarck. Stumpf, kaum Nase aber immerhin mit ausgewaschenem Schwarz in Sonderlackierung und entzündeten Falten im Gesicht. Ein Bulldog, wie er im Buche steht…aber Bücher gibt es viele und manche nimmt man wohl besser zum Heizen. Bismarck hat gestern mit unserem Opa Spike gespielt und danach weißen Schaum gekotzt. Das muss so und hat gar nichts damit zu tun, dass sein Körper mit dieser Art Anstrengung nicht fertig wird. Bismarck hat gestern 10 Minuten an einer Stelle gesessen, danach waren seine Hinterbeine lahm, sie passen nicht richtig unter den Körper und schlafen in Sitzpose einfach ein. Bismarck hat sich auch ein paar Mal am Essen verschluckt, welches er sehr liebt, aber eben auch kaum kauen kann. Bismarck freut sich und sein ganzer Popo wackelt, weil er keine richtige Rute hat.

Außerdem hat Bismarck keinen Menschen gehabt, der sich um eine vernünftige Erziehung gekümmert hat. Und so hat Bismarck für sich beschlossen, es allein mit der Welt aufzunehmen. Er ist gerade mal drei Jahre alt und man will ihn nicht mehr. Zu anstrengend, gefährlich, Vertrauen ist weg…man kann sich auch nicht mehr erklären, warum. Man war doch immer lieb. Ihm fehlte es an nichts (außer einem gesunden Körper und Grenzen) und aufkommen kann man auch nicht, man bekommt ja kaum was vom Staat. An dieser Stelle nochmal DANKE CORONA. Dieser Hundetsunami ist einfach erfrischend.

Das Ehepaar, welches Bismarck betreuen wollte, während Frauli im Krankenhaus verweilte, erlebte sein blaues Wunder in Form von blauen Flecken, Zähnefletschen und kompletter Eskalation, wenn es jemand wagte, sich der Haustür zu nähern. Man hatte Angst, wusste nicht weiter, Besuch oder auch ein Arzt könnten das Haus so nicht betreten. Das eingeschaltete Veterinäramt hatte auch keine Optionen, so oft die Frau auch anrief und um Hilfe bat…Bismarck war immerhin nicht ihr Hund…am Ende hörte sie von Stellen, dass sie selber schuld sei, da geholfen zu haben. Ein bisschen Rente und Hundeverstand war ja da, aber eben nicht genug, um Bismarck auf eigene Kosten in eine Pension zu bringen, die zwischen 28 und 40 Euro am Tag nimmt.

Samma Leute, wollen wir da wirklich hin? Wann ist denn hier mal Schluss mit diesem ganzen Wahnsinn? Bismarck ist 3 Jahre alt. Das Thema Qualzuchten mindestens so alt wie Facebook. Er stammt aus Niedersachsen, Hundeführerschein? Unbekannt.

Bismarck ist ein Fall, in dem weder Eigenverantwortung noch Sachkunde bei der Halterin ein Thema waren. Und warum? Na weil das hier einfach geht. Ein paar hundert Euro und ich habe einen Welpen in Sonderlackierung. Ein paar schöne Jahre und dann soll sich der Tierschutz darum kümmern.

Nun kam er zu uns. Er musste geholt werden, denn ins Auto wollte man mit ihm nicht steigen. Maulkorb aufziehen? Fehlanzeige. Festgezurrt im Kofferraum mit 3 Leinen und auf Abwehr getrimmt. Anfassen? Nö! Wenn dann nur noch ohne Finger! So holten die Hellhounds ihn ab. Nessy hatte an dem Tag keinen Freigang, die kann man in solchen Fällen halt auch nur mit Maulkorb zu Leuten hinlassen.

Und ja, ich verstehe den Wunsch nach einem Hund. Hunde sind toll! Aber warum ein behinderter, der mit Absicht so gezüchtet wird? Warum eine Rasse, die von den Briten in Stahlkäfigen gehalten wurde, weil sie schon 1800-Scheiss einfach miserabel im Sozialverhalten abgeschnitten hat? Und warum sterben robuste, nette, aber eben ältere Hunde immer noch alleine im Tierheimzwinger…wenn das Herz doch für Tiere schlägt?

Ich spucke mittlerweile auch Schaum, das liegt an meiner Menschenallergie und bekomme schlecht Luft, weil ich das Ausatmen vergesse.

Bismarck kam hier an, hat alle Hunde und Mitarbeiter begrüßt, ist manchmal etwas aufdringlich, kassiert sich eine und trödelt fröhlich weiter. Er reagiert hier nicht auf Besuch und seine Zähne haben wir bisher nur beim Gähnen gesehen. Wunderheilung…Jaja. Oder einfach mal keine Leute, die Angst vor ihm haben und unsicheres Verhalten an den Tag legen. Tapetenwechsel und andere Strukturen. Auch mal selber nachdenken und lernen durch Versuch und Irrtum. Das, was ein guter Mensch seinen Tieren beibringt – in die Menschenwelt zu passen.

Wir werden Bismarck in der Tierklinik in Lüneburg vorstellen. Es gibt, wie oben beschrieben, ein paar Baustellen. Und dann soll er hier auch einfach nicht alt werden, sondern zu Menschen und bitte gerne auch anderen Hunden, die sich dem jungen Mann annehmen. Bismarck ist KEIN HELLHOUND, er war überfordert mit Menschen, die ihn als Bulldog Rüden nicht annehmen wollten. Er sollte ein Freund und Familienmitglied sein. Bismarck will aber Bulldog sein. Er will ernst genommen werden, er will einen festen Platz im Sozialgefüge seiner Menschen und Hundefamilie haben und er will allen gefallen.

Er ist ein toller Hund, aber eben nichts für schwache, mitleidige Menschen-DNA, die das Wort Führung mit etwas Negativem verbindet.

Achso, Maulkorb bekommt man übrigens mit der Hand aufgezogen, wir gehen davon aus, dass er bei der Abholung durch den Stress der Menschen drum herum so abwehrend reagiert hat, denn hier ist alles tutti.

Gerne kann man den Kerl auch jetzt schon kennenlernen. Er ist aber kein Kleinanzeigen-Notverkauf (muahahaha), er kriegt hier alle Zeit und hat den Platz, den er braucht. Es geht lediglich darum, einen guten Hund in passende gute Hände zu bringen, weil er hier nicht her gehört.

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