Die Kreation bissiger Hunde

Dies ist ein typisches Verhalten von Hunden bei denen die normalen Erziehungsratgeber und Hundeschulen scheitern, weil sie das Wesen und Potential nicht rechtzeitig erkennen und in richtige Bahnen lenken können. Solche Hunde beginnen über kurz oder lang sich komplett zu verselbständigen und die Welt um sich herum so zu verändern, dass man sie ins Zentrum der Gedanken hebt („Wenn ich mich so verhalte beißt er wieder!“). Wo sie dann beginnen noch mehr Aufgaben zu übernehmen und Regeln zu platzieren. So etwas äußert sich z.B. in der Wahl des Spazierweges („Ich gehe nur noch da wo nicht viel los ist, damit er sich nicht aufregt.“) oder in der Einschränkung des sozialen Kontakts („Ich brauche keinen Besuch, das ist viel zu viel Stress.“). Unbemerkt bestimmt der Hund irgendwann das eigene Leben und bringt einen enormen Druck und auch Ängste durch sein aggressives Verhalten in eine einst recht harmonische und unbesorgte Beziehung.  

Leider wissen die Hunde nichts von Tierärzten mit starken Narkosespritzen, Menschen mit sehr wehrhafter Natur, Polizisten die ihm im Zweifel bei derartigem Verhalten auf der Straße das Licht ausknipsen können oder dass Ordnungsämter am längeren Hebel sitzen, wenn es um Charaktere wie ihre geht. Zum Glück sind sie nicht wie viele aggressive Hunde in Deutschland in den sicheren Tod gerannt, sondern hier gelandet und bekommen eine zweite Chance sowie eine andere Sichtweise auf die Dinge.


Oftmals werde ich gefragt, ob ich denn gar keine Angst habe mit Hunden die bereits Menschen gebissen haben, Artgenossen/Tiere getötet oder in der Panik um sich gebissen haben, zu arbeiten oder aber gar mit diesen zusammen zu leben. Zum Glück kann ich dies verneinen.

Hunde sind nicht so stark an die Gesetze der Natur gebunden, wie ihre Vorväter die Wölfe. Sie kämpfen in ihrem zu Hause bei Herrn oder Frau Mustermann in Musterstadt nicht ums überleben und können gerade deshalb Energie für Dinge aufbringen wie z.B. Jogger „zum Spaß“ jagen, sich auf der Hundewiese mit nahezu jedem anderen Hund anlegen, an der Leine pöbeln und zerren bis die Zunge einen Meter weit aus dem Hals hängt, nur um Abends eine überdimensioniert große Portion Futter mit energiereichem Futter vorgesetzt zu bekommen und es sich auf dem Sofa gemütlich zu machen.

Schwierig wird es vor allem dann, wenn sie beginnen ihren Überschuss an Energie aggressiv und sozial motiviert gegenüber ihren Besitzern oder anderen Menschen auszuleben.

Ein Phänomen, von dem man dieser Tage öfters hört und liest und welches einen gerade im Alltag als Hundetrainerin vor sehr emotionale und teilweise tragische Situationen stellt.

Im Tierschutz hört man dann oft Sätze wie: „Der wurde bestimmt geschlagen oder schlimmer misshandelt“ oder „der kommt aus dem Ausland, da ist es die Hölle für Hunde“.

Beide Zitate mögen hin und wieder auch mal eine Begründung darstellen, die Hunde der Hellhound Foundation allerdings erzählen überwiegend andere Geschichten. Von allen Hunden hier haben wir genau einen welcher auf Grund von schlimmer Misshandlung her kam und welcher auf Grund einer dadurch entwickelten autoaggressiven Störung (selbstverletzendes Verhalten) zu unseren eigenen Hunden zählt.

Die anderen sind Opfer falscher oder mangelnder Erziehung welche sich auf der Suche nach einer klaren souveränen Führung immer weiter in eine Geschichte aus Frustration, Langeweile und Selbstverständlichkeiten, falschem Ehrgeiz und egoistischen Motiven der Halter was die vorhergegangene Anschaffung des Hundes anging, verstrickten und letztlich fast dabei umgekommen wären.

Letztlich haben sie ihre Halter „schwer enttäuscht“, sind völlig unbegrenzt und maßlos in ihrem Tun und akzeptieren keine Grenzen mehr, da sie diese im Laufe der Zeit schlichtweg überschritten oder ihre Halter Alternativen suchten um Konflikte schon vor dem Entstehen zu vermeiden. „Wir spazieren nur noch auf Wegen wo mir niemand entgegen kommt.“, „Ich werfe ein Leckerli aus dem Raum raus und mache dann schnell die Tür zu.“, „Ich schlafe auch schon mal auf dem Sofa, wenn er vor mir im Bett liegt.“, „Meine Freunde haben Angst vor meinem Hund, deshalb kommen sie nicht mehr zu Besuch.“.

Menschen unterwerfen sich der Tyrannei ihres vermeintlich besten Freundes, werden hilflos, fahrlässig, resignieren. Man hört von guten und schlechten Methoden, zerreist und preist Hundetrainer in den Medien, es gibt 100 verschiedene Ansätze Probleme anzugehen und tausend schlimme Worte und Ratschläge welche den Alltag  Hund und Halter zum Albtraum werden lassen. Ganze Tagesabläufe und Wohnungen werden für nicht artgerecht erklärt, umgeräumt und „neu gestaltet“.

Tierschutzvereine und auch private Tierschützer übernehmen Hunde ohne jegliche Fachkenntnisse und vermitteln an nette aber ebenso unerfahrene Menschen. Häufig wird sich von Seiten der Vermittler „tot gestellt“, wenn die ersten Probleme im neuen Zuhause auftauchen und dann herrscht auf beiden Seiten Ratlosigkeit.

Im übrigen wird kein Raubtier der Welt so gewissenlos und schnell adoptiert wie der Hund.

Es sollte also langsam mal wieder Zeit werden für einen Imagewechsel. Man muss keine Panik heraufbeschwören allerdings sollte gerade in Zeiten wie diesen, wo eine riesige Variable an unterschiedlichsten Rassen und Importen, Neukreationen und Rettungen Einzug hält eins im Hinterkopf behalten werden: NEIN, SIE SIND NICHT ALLE LIEB! Manche werden in diversen Kulturkreisen zum Schutz oder zur Arbeit gebraucht (Herdenschützer/Malinois/Windhunde/Terrier etc.) und können den ruhigen und geselligen Familienalltag nicht ab. Manche lebten seit Generationen am Rand von menschlicher Zivilisation und kennen uns nur „vom Sehen her“, trauen uns aber weder über den Weg noch besitzen sie Nerven für ein Leben in Wohnungen und an Leinen. Und hin und wieder  hat man es auch einfach mit Persönlichkeiten zutun, welche in den falschen Händen schlicht weg zu feindlichen Predatoren mutieren, weil sie Lücken füllen wo gute Argumente fehlen oder der Konflikt im allgemeinen gescheut wird.

Und all diese landen derzeit in deutschen Tierheimen, werden zu Dauerinsassen oder gehen in gewohnter Manier Pfleger und Ehrenamtler an und sterben durch die Spritze.

Problemhunde gibt es viele, jedes Tierheim hat mindestens einen oder zwei, welche bereits morgens beim Pflegepersonal Schauer, Ängste und Frustrationen erzeugen und hinter ihren Gittern immer größer werden. Manche beissen sich in den Himmel andere landen in letzter Sekunde bei uns oder unseren Kollegen.

Und was dann?

Der Kampf beginnt, der Ring ist frei: Schluss mit alten Gewohnheiten und Nein hier wird nicht mehr gebissen!

Analyse, Therapie und Reintegration ins wahre Leben. Klingt erstmal schön und lebensrettend, aber mal im Ernst: Haben Sie schon mal einem Kampfsport Profi souverän und deutlich die Meinung gegeigt? Und? Haben Sie ihn überzeugt und zeigte er Einsicht?

Nun, die  „Profis“  die unsere Einrichtung betreten sind seltenst einsichtig, oftmals noch nicht mal stubenrein und tragen zerstörerische Energien in sich welche sie jeden Tag aufs neue laden und verwenden können, während wir neben dem nun aufgenommenen Kampf auch noch einen Alltag zu bewältigen haben und dieser pöbelnden Spezies noch Fürsorge zukommen lassen. Ermüdend, Nerven zehrend und manchmal eben auch versehen mit Bisswunden ist die Arbeit. Und wofür?


Unserer Meinung nach, haben viele Menschen ihr Bauchgefühl was intakte Beziehungen zu Tieren und Umwelt angeht verloren. Gerade heute wird viel geredet und diskutiert, aber kaum noch die dazu passende und authentische Körpersprache und Mimik angewandt. Alles zerfließt in einem Brei. Man ist mäßig sauer und mäßig froh, malt lieber grau statt schwarz oder weiß und versucht mit Worten statt mit Taten zu überzeugen. Eine Verhaltensweise, welche in der Kultur der Hunde schnell zum Problem wird.

Normale Hunde denken und handeln sehr schnell und meist egoistisch motiviert. Klingt abwertend, ist aber eigentlich völlig normal. „Will ich etwas, nehm ich es mir“, „Habe ich eine Chance, ergreife ich sie“.

Sie sind deutlich aggressiv und deutlich freudig. In erster Linie verwirklichen sie damit Ziele, die sich kurzfristig ergeben und gehen strategisch vor ohne dabei weiter an Konsequenzen oder den menschlichen Mitbewohner zu denken. Stellen Sie an Weihnachten den Gänsebraten gut erreichbar für den Hund hin und sie werden sehen was er unter dem „Fest der Liebe“ versteht.