Erlebnisse mit den Höllenhunden

Story No. 2 - How to rescue a devil

Wir schreiben den 09. August 2016, beim Mittagessen klingelt wieder mal das Handy. Eine argentinische Dogge, ca. 120 km entfernt von uns, hat nach zwei Monaten seinen Halter gebissen und dieser droht sich stinkig im Krankenhaus verarzten lassend den Hund einzuschläfern. Der Anruf kommt nicht von dem Halter selbst sondern von des Hundes Vermittlerin, die keinen Platz für den Hund hat. Niemand möchte irgendwelche Kosten tragen, niemand möchte den Hund transportieren, geschweigedenn sorgt sich jemand um die Zukunft des Hundes. Eine Sprachbarriere aufgrund des Niveaus ist auch gegeben. So denn, es wird telefoniert und das Whatsapp glüht.

Keine zwei Stunden später sitzen wir im Passat und düsen Richtung Norden, um den Beißer abzuholen bevor er getötet wird. Nach 1,5 h sind wir angekommen, da wartet der Halter mit Handverband und leidigem Blick samt Hund schon vor der Tür. Wir werden also gar nicht sehen wie der Hund gehalten wurde und vermuten das uns hier der Anblick einer Wohntraumoase entgeht. Mit Jamie im Schlepptau werden wir von einem Wrack im Keinohr-Dogo-Kostüm angebellt, sodass wir Jamie mit Distanz Sitz machen lassen und uns erstmal vorstellen. Der Halter selbst stellt sich weder vor, noch hat er eine plausible Geschichte zu erzählen, stattdessen hören wir etwas von einer Getreideallergie als wir ihn auf den schlechten Zustand des Hundes ansprechen. Der Hund wurde angeblich stets bekocht - aha.

Zum Assistieren beim Maulkorb aufsetzen konnte sich der Halter aus seiner leidigen Haltung bewegen und reichte uns sogar noch die Impfausweise aus seiner stylischen Gürteltasche. Impfschutz ist vor drei Monaten abgelaufen. Als wir offiziell werden und ihm den Abgabevertrag unter die Nase halten winkt er ab. Verträge unterschreibt er nicht, da hat er schlechte Erfahrungen gemacht (und das obwohl wir ihm lediglich ein Kamel und eine Waschmaschine unterjubeln wollten - menno).

Keinohrhund sichtlich verunsichert und ängstlich kam ohne eine Idee von dem was gleich geschehen wird mit uns mit. Der Halter verfiel währenddessen schon wieder in seine leidige Pose und es entfleuchte ihm einem Furz gleichend gerade noch ein "dann tschüß". So liefen wir zu viert zurück zum Auto, glücklich und dankbar dafür mal wieder Stunden mit Fahrerei und lebensbereichernden Erfahrungen ohne Entschädigung oder eine anderweitig nette Geste der Verantwortlichen entgegengebracht zu bekommen. Aber zum Glück mögen wir Menschen und er hatte gewiss eine schlechte Kindheit oder so...

Nun war dieser Abend wenigstens für einen ein fröhliches Ereignis, auch wenn dieser vorerst mit langem Gesicht und Baskerville Maulkorb dekoriert bei uns im Kofferraum saß und von nichts eine Ahnung hatte. Raus aus der Stadt, weg vom Prekariat und rein ins Ländliche und in medizinische Versorgung.

Trotz eingeklemmter und wohl aus früherem Umgang gebrochener Rute stieg Herr Devil freiwillig und relativ vertraut  ins Auto ein und verhielt sich während der Fahrt unauffällig sowie ruhig. Bei unserer Pflegestelle angekommen, die uns zum Glück aushelfen konnte, da wir überfüllt sind, gingen Herr Devil und sein "neuer Halter" erst einmal pieseln ;-)

Mittlerweile hat sich der Verdacht bestätigt, dass der Hund leidet (seine Ohren sind entzündet, er hat Fieber und scheint nichts zu hören). Wir werden ihn beim Tierarzt vorstellen, um Milben ausschließen zu können oder ihn ggf. dagegen zu behandeln, denn sein Hautbild ist nicht in Ordnung.

Keinohrhund war übrigens ein Mitbringsel aus Italien und wurde dann in den Kleinanzeigen verschenkt. Dass der Halter unschuldig in die Hand gebissen wurde, können wir uns derzeit nicht vorstellen...