Thales

Rasse

Deutscher Pinscher

Geboren

10.01.2007

Geschlecht

männlich

Farbe

rot

Größe/Gewicht

ca. 53 cm / 20 kg 

Wesen

eifrig, neugierig, aufgeweckt, wachsam, verschmust

Verhalten gegenüber Kindern

nimmt er nicht ernst & begrenzt sie

Verhalten ggü. Erwachsenen

zu den eigenen Menschen sehr loyal & nett, bei Fremden misstrauisch bis territorial-aggressiv (schnappt in Waden)

Verhalten ggü. Artgenossen

imponiert gerne - ist aber an sich kein Drama in der Gruppe, selten in Prügeleien verwickelt

Verhalten ggü. anderen Tieren

wird nicht zu Kleintieren oder Katzen vermittelt, Huftiere sind ok

Gehorsam/Leinenführigkeit

Grundkommandos (Sitz, Platz, Aus, etc.) kennt er, gut abrufbar aber jagdlich motiviert

Schlechte Erfahrungen/Ängste:

Bedrängung, Tierarzt findet er gruselig

Stubenrein

ja, bis zu 8 Stunden (markiert auf fremden Gebiet in Wohnungen)

Alleine bleiben

ja, bis zu 8 Stunden

Autofahren

kein Problem, springt gerne rein & schläft nach kurzer Zeit, es sei denn es geht zu einem Besuch den er kennt - dann fiept er (lässt sich aber unterbrechen)

Gesundheit

hatte Patellaluxation hinten links - wurde operiert & angenäht, bei schlechtem Wetter schont er manchmal das betroffene Bein, Narbenschmerzen

Abgabegrund

hat Besitzerin gebissen & deren 6-jährige Tochter

Neues Zuhause

Pinschererfahrung, aktive Menschen ohne Kinder 

Bei uns seit

05.2012

"Thales vom blauen Wunder" wie der Züchter ihm seinen Namen und ungewollter Weise auch seinen Charakter vorgab, denn Thales ließ einige Menschen und Artgenossen ihr blaues Wunder in Form von Bisswunden und Quetschungen erleben. Dieser Hund mag zwar eher zierlich und dadurch nicht gerade imposant wirken, sein Wesen ist allerdings äußerst robust und von harter Natur geprägt. Thales war nie wetterfühlig und auch kein typischer Sofahund, der eine Kuscheldecke brauchte.

Als er herkam legte er sich bei jeder Gelegenheit mit Artgenossen an, zeigte mir die Zähne, wenn ich ihm nicht sofort seinen Willen ließ und reagierte auf jeden Besucher mit Waden schnappen oder verbellen und stellen. Kurz: er war der rote Teufel und trägt seine Narben voller Stolz.

Doch dann kamen andere Zeiten. Während andere Gehegehunde ein gutes Zuhause fanden, die Besetzung dadurch langsam wechselte und neue, größere und ebenfalls aggressive Hunde den Hof bevölkerten, wurden Thales zum ersten Mal in seinem Leben unüberwindbare Grenzen gesetzt. Er wurde in die Schranken gewiesen und merkte, dass Widerstand zu unangenehmen Blessuren oder mal zu einem Zahnabdruck im Pelzpo führt. Natürlich ließ ich ihn nie alleine. Seine Konflikte wurden von mir überwacht sodass nie größere oder gar gefährliche Verletzungen entstanden. Ich ließ ihn bloß seine Erfahrungen machen. Durch mein eingreifen und regeln der Streitigkeiten lernten die Beteiligten, dass das letzte Wort immer noch ich habe. So kam Thales schnell zu der Erkenntnis, dass es für ihn vorteilhaft ist sich mir anzuschließen und friedlich zu kooperieren, anstatt alles abzuwehren. Nach kurzer Zeit zeigte er neue weitaus angenehmere Züge und war eher neugierig und offen. Er lernte den "kleinen Hundeknigge" mit Grundkommandos sowie die Leinenführigkeit und das Abrufen aus dem Freilauf. Wir hatten eine gute Phase bis Thales plötzlich anfing sein linkes Hinterbein im Galopp immer wieder anzuwinkeln und zu schonen. Das Ergebnis der Klinik: Patellaluxation - ein Verrutschen der Kniescheibe was von Mal zu Mal schlimmer und schmerzhafter hätte werden können, wenn man die Kniescheibe nicht operativ an ihrem Platz fixiert hätte. Thales überstand die OP sehr gut, aber hatte danach einen langen Weg der Genesung mit viel verordneter Ruhe und Physiotherapie zu meistern.

Heute ist Thales OP-Wunde vollkommen ausgeheilt, aber nicht gerade schön geworden. Er ist insgesamt gezeichnet vom Leben und etwas in die Jahre gekommen. Bei seinem vertrautem Menschen ist er mittlerweile ein netter und sehr verschmuster Hund, der dankbar eine Kuscheldecke sowie einen Sofaplatz annimmt. Er kommt gar nicht auf die Idee seinen Menschen unterjochen zu müssen, sofern dieser über eine für das Wesen eines Pinschers angepasste Kompetenz und Führungsqualität verfügt und gewisse Grenzen im Zusammenleben akzeptiert.

Warum war Thales zu Beginn so aggressiv?

Nach Rücksprache mit seinem Züchter erfuhr ich, dass Thales bereits im Welpenalter besonders zu Situationen hingezogen war in denen man sich beweisen musste. Als kleiner Hund sei er schon "etwas grenzwertig" gewesen. Trotzdem wurde er guten Gewissens als Ersthund an eine sehr bemühte Familie vergeben. Dieser Familie setzte man in einer Hundeschule leider den Floh ins Ohr, dass man Thales' leicht aggressive Ader nur durch Auslastung, Auslastung und noch mehr Auslastung in den Griff bekommen würde. Ihnen wurde eine relativ strikte und harte Handhabe empfohlen, die einen ausgesprochen gut konditionierten sowie harten Hund in einer eigentlich eher ruhigen Familie heranwachsen ließ. Man handelte in bester Absicht und wusste nichts von den Fehlern, die man beging. Bis zu dem Tag an dem Thales den gesamten Hausstand in Frage stellte und die Bewohner ziemlich aggressiv anging sowie verletzte.

Wer schenkt diesem robusten Langzeitinsassen ein Zuhause?

Thales bindet sich lieber an einen einzelnen Menschen und ist damit auch sehr zufrieden und glücklich. Bedingt durch seine OP-Narbe, die bei schlechtem Wetter leichten Druck hervorruft, darf er gerne zu älteren, aber aktiven Menschen. Toll wäre ein Haus mit Garten oder eine Wohnung nahe der Natur. Man könnte ihn auch im städtischen Bereich ansiedeln, dies würde ich allerdings nur sehr erfahrenen Menschen empfehlen, da Thales reizgesteuert dazu neigt zu schnappen und bei aufkommender Hektik auch sehr unruhig sowie gestresst an der Leine werden kann. Hier auf dem Land führt man eher ein ausgeglichenes Leben, da es nicht zu unübersichtlichen/bedrängenden Situationen kommt und man "Nachbars Lumpi" auch mal aus dem Weg gehen kann, wenn man mal keine Lust hat auf die überlegene Rolle zu achten. Von Stadtbesuchen wird er wohl nie ein Fan werden. Man sollte sich mit der Rasse und deren Eigenheiten (jagen, bewachen, beschützen des geliebten Menschen) auskennen und diese steuern können. Mantrailing und Fährtensuche sind Thales' größte Freude.

In Thales' Umfeld sollten definitiv keine Kinder, Katzen oder Kleintiere leben, da er diese wahrscheinlich nicht mehr akzeptieren wird und frei seiner Natur auch Jagd auf Katzen oder die Nachbarkaninchen macht.