Haddock

Rasse

Belgischer Schäferhund (Malinois)

Geboren

21.12.2012

Geschlecht

männlich (kastriert)

Farbe

beige bis rotbraun

Größe/Gewicht

ca. 65 cm / 28 kg 

Wesen

aufmerksam, unsicher, anpassungsfähig, gelehrig, agil, defensiv aggressiv

Verhalten gegenüber Kindern

neutral, wird jedoch nicht zu Kindern vermittelt

Verhalten ggü. Erwachsenen

beim Besitzer loyal, bei Fremden (v.a. Männern) aggressiv wenn er in Bedrängnis gerät

Verhalten ggü. Artgenossen

gut sozialverträglich

Verhalten ggü. anderen Tieren

eher jagdlich motiviert

Gehorsam/Leinenführigkeit

auf einem guten Weg

Schlechte Erfahrungen/Ängste:

Gewalt, Kettenhaltung, leben auf engem Raum, laute Geräusche

Stubenrein

ja

Alleine bleiben

ja

Autofahren

das Einsteigen wird noch geübt

Gesundheit

Teillähmung der rechten Gesichtshälfte

Abgabegrund

Beißvorfälle ggü. Halter & Tierheimpfleger

Neues Zuhause

Malinoiserfahrene Menschen, einfühlsam & durchsetzungsfähig in Konfliktsituationen, aktiv, bestenfalls mit Garten, gern als Zweithund

Bei uns seit

05.2016

Haddock im WDR: http://www1.wdr.de/fernsehen/tiere-suchen-ein-zuhause/hellhound-foundation-bissige-hunde-100.html

Haddock stammt aus einer Zucht irgendwo in Frankreich, wo zwei auf Leistung und Arbeit ausgelegte Malinois sich verpaarten. So lebt er frei nach dem Motto "Wer bremst verliert". Dies macht ihn zu einem Hund, der konstant den Eindruck erweckt unter Strom zu stehen. Sicherlich wäre er mit diesem Profil sehr gut für den Schutzhundesport oder für Dienst irgendeiner militärischen Einheit geeignet gewesen. Doch leider wurde er einfach in eine Familie im Elsaß verkauft und tat dort wohl nichts außer sich für Leckerchen hinzusetzen.

Wir stellen uns das Zusammenleben mit einem derart unterforderten Hund als nervenaufreibend und anstrengend vor. Drei Jahre hielt der Clown in seinem Kopf diese Arbeitslosigkeit aus, dann schlug er zu. Haddock begann sein Umfeld ernsthaft in Frage zu stellen. Es kam ein Baby in die Familie, weshalb er raus flog. Den Rest seiner Geschichte liest man an den Narben auf seinem Körper und in seinem Gesicht (er ist halbseitig gelähmt).

In einem alten Frachtcontainer (danach sah es auf den Fotos aus) verbrachte er teilweise Tage lang alleine eingesperrt. Dunkelheit, Hunger, Durst sowie Isolation (auch ohne Außenreize) waren an der Tagesordnung und wurden zu seinen größten Ängsten. Haddock saß wortwörtlich in der Scheiße, einst als Familienmitglied, nun vollends ausgeblendet. Einmal pro Woche kam er kurz in den Garten, angebunden an einen Baum, damit der Verschlag gereinigt werden konnte. Als Haddock sich eines Tages dagegen wehrte in sein Verließ zurück gesperrt zu werden und letztendlich seinen Halter bedrohte, hatte dieser Angst vor ihm bekommen. So ließ er den Hund, seinen ehemaligen Freund und Begleiter, wochenlang an der Kette an einem Baum befestigt zurück. Ohne Schutz vor dem Wetter und ohne Versorgung musste Haddock erneut demütigende Lebensumstände ertragen. Teilweise muss er sich dort vor lauter Panik stranguliert haben, denn die Kette hatte sich tief in seinen Hals und Nacken gefressen, als man ihn befreite. Wie es sich wohl anfühlt, wenn man erschöpft sowie ausgelaugt von der Witterung tagelang bewegungsunfähig auf dem Boden liegt und wenig Luft zum atmen hat? Er war in einem sehr schlechten Zustand als er von Tierschützern gefunden worden ist.

Der erste Versuch ihn von dem Baum loszulösen scheiterte, da Haddock sich nicht mehr anfassen ließ. Mit Fangstange, Sedierung und Unterstützung mehrerer Personen gelang es ihn von der Kette zu befreien und ihn in das nächstgelegene Tierheim zu bringen. Aussichtslos, zu gefährlich, unberechenbar, zu stark - so stellte man ihn uns vor, als wir ihn im Elsaß abholten, um ihm bei uns die Aussicht auf ein besseres Leben sowie eine zweite Chance zu geben.

Dieser Malinois war der erste Hund, bei dem wir uns nach langem Ausprobieren auch dazu entschieden, ihn für den Transport nach Deutschland zu sedieren, da wir vor Ort noch nicht einmal eine Gelegenheit hatten seinen Zwinger unbeschadet zu betreten. Sogar mit Sedierung intus erwies er sich als äußerst wehrhaft..! Trotzdem haben wir ihn mitgenommen. Zu Hause wartete bereits das Kamerateam des WDR auf uns, die seine Aufnahme gerne filmen wollten.

Daheim angekommen war Haddock noch im Rausch, zeigte sich anhänglich und spulte Verhaltensmuster aus längst vergangenen Zeiten ab. Ohne Alltagsstress und Befürchtung wieder zum Sterben zurückgelassen zu werden, scheint er zu wissen sowie zu wollen, wie ein normaler Hund zu sein. Momente später attackierte er jedoch mehrfach, sodass wir denken, dass nach so langem Missbrauch viel Vertrauen verloren ging und die einst gesunde Beziehung zum Menschen gelitten hat.

Bei uns kristallisiert sich heraus, dass Haddock nicht mehr fähig ist Menschen zu verstehen und es je nach früherer Ausbildung eventuell nie konnte. Im Alltag muss er von Menschen umgeben sein, die sich klar und deutlich ihm gegenüber verhalten, auch wenn er mal loslegt und sich gegen den Menschen wendet. Wirkt der Mensch unsicher oder aggressiv, wird er es auch. Da er noch nicht viel kennt, gibt es noch viele Situationen, die ihn verunsichern. Enge Räume (auch das Auto), hektische Bewegungen, aggressive Körpersprache, laute Geräusche, der Verdacht einer Bedrohung - häufig hat er Probleme die Situationen richtig zu bewerten und versucht dann abzuwehren was geht. Haddock muss lernen mit Menschen zu kommunizieren und dazu braucht er jemanden auf den er sich verlassen kann.

Interessenten muss klar sein, dass er seine Zeit braucht, um ein händelbarer Begleiter zu werden (ohne Maulkorb & ohne seine Patentlösung "Angriff ist die beste Verteidigung"). Bei uns war es bereits soweit ihn ohne Maulkorb zu verpflegen, ohne Verletzungen. Allerdings wurde er in dieser Phase kaum Reizen ausgesetzt und er konnte frei laufen gelassen werden (umzäuntes Gelände), sodass er sich bei Stress zügig wieder entspannte.

Ein normales Leben als Familienhund in einer geordneten Reihenhaussiedlung wird Haddock wohl verwehrt bleiben, dennoch wissen wir, dass es für jeden Topf den passenden Deckel gibt.